Unwetterschäden

Spuren der Hagelkörner: Dellen und Durchschläge

Am 4. Juli gab es rund um Stockach ein heftiges Unwetter mit Starkregen, Sturm und Hagel. Unglücklicherweise ist es genau so gezogen, dass es sowohl meine Stockacher Wiese, als auch die beiden Wiesen bei Heudorf im Hegau getroffen hat. Das ist umso ärgerlicher, da es tatsächlich nur in einem sehr eng begrenzten Gebiet zu diesem Unwetter kam. Die größten Schäden hat der Hagelschlag angerichtet.

Die Äpfel, bei denen die Fruchthaut durschlagen wurde, werden bald anfangen zu faulen. Dort, wo nur Dellen aufgetreten sind, habe ich noch Hoffnung, dass die Äpfel das nochmal verheilen und sie zur Saft- und Apfelmusherstellung genutzt werden können. Zum Glück kenne ich viele Streuobstwiesenbesitzer, die mir hoffentlich erlauben, auf ihren Wiesen Äpfel für Tafelware zu ernten.

Der Sturm hat einen Zwetschgenbaum zerlegt. Er war schon sehr alt und hatte ein paar morsche Stellen. Da wird dann im Winter ein Ersatzbaum gepflanzt.

 

 

 

Artenvielfalt – die Zauneidechsen

Jedes Jahr aufs Neue bereiten mir die Zauneidechsen auf der Stockacher Streuobstwiese viel Freude. Gerade auch deshalb, weil sie sonst angesichts verloren gehender Lebensräume immer seltener zu sehen sind. Auf der Streuobstwiese profitieren sie von Kleinstrukturen wie Totholzhaufen und Altgrasstreifen (d.h. bestimmte Bereiche, die das ganze Jahr über nicht gemäht werden).

Stockach, 07.06.2022: Morgens sonnen sich die Zauneidechsen gerne auf den Ästen der Totholzhaufen, während sie bei heißem, trockenem Wetter die Feuchte und Kühle unter den Haufen suchen.

Hier finden die Zauneidechsen Schutz und Nahrung. Sie ernähren sich am liebsten von Insekten und Spinnen.Die Topographie kommt ihnen in Stockach ebenfalls zugute. Die Streuobstwiese liegt am Fuße eines teilweise terrassierten Osthanges, auf dem ein großer Schrebergarten liegt. Sie finden dort viele „Sonnenbänke“, wo sie morgens ihre Körpertemperatur erhöhen können. Dies ist für die wechselwarmen Tiere notwendig, um den Stoffwechsel anzuregen und überhaupt aktiv sein zu können.

Wer mehr über das Leben von Zauneidechsen und die Möglichkeiten, ihnen geeigneten Lebensraum zur Verfügung zu stellen, erfahren möchte, findet auf der Internetseite des Artenförderprojekts „Zauneidechse“ der Albert Koechlin Stiftung unter https://www.zauneidechse.ch/ viele interessante Informationen.

Stockach, 07.06.2022: Eine Wolfsspinne vor ihrer Wohnröhre. Sie sind v.a. in Altgrasstreifen zu finden. U.a. darum sind diese Kleinstrukturen so wichtig für das Vorkommen von Zauneidechsen.

Stockach, 07.06.2022: Auch Grashüpfer gehören zur bevorzugten Beute von Zauneidechsen.

 

 

 

 

 

 

 

Gespinste am Apfelbaum – die Apfelgespinstmotte

Jetzt beginnt wieder die Zeit, in der an einigen Apfelbäumen auffällige, aus Fäden zusammengesponnene „Nester“ zu sehen sind. Darin befinden sich blassgelbe Raupen mit schwarzen Punkten. Hierbei handelt es sich um die Raupen der Apfelgespinstmotte (Yponomeuta malinellus), die innerhalb dieser selbst gesponnenen Gespinste Schutz finden. Die Apfelgespinstmotte ist ein Nachtfalter, gehört also zu den Schmetterlingen.

25.05.2022: Am Apfelbaum an der Augustabank in Konstanz-Litzelstettten fielen mir die Gespinste und der Blattfraß auf

Oft sind viele dieser Gespinste an einem Baum oder sogar an einem Trieb zu finden. Die Raupen fressen an den Blättern des Apfelbaumes, was bei starkem Befall zu einem hohen Blattverlust führen kann. Obwohl dies natürlich nicht gut für den Baum ist, da er mit den Blättern seine wichtigsten Organe zum Betrieb der Photosynthese verliert, bleiben erfahrene Streuobstwiesenbewirtschafter trotz des Befalls relativ entspannt. Der Baum wird daran nicht zugrunde gehen, sondern im nächsten Jahr wieder neu austreiben. Die diesjährige Ernte wird zwar eventuell unter dem Befall leiden, aber das ist der Lauf der Dinge. In manchen Jahren kommen gewisse Schädlinge häufiger vor, in anderen weniger. Im sehr warmen Jahr 2018 war der Befall durch die Apfelgespinstmotte besonders auffällig. Das muss man akzeptieren und auf die Selbstregulation durch das Ökosystem Streuobstwiese bauen. Zu den Feinden zählen vor allem Parasitoide wie Schlupfwespen, Erzwespen oder Raupenfliegen, die ihre Eier in die Eier bzw. in die Raupen der Apfelgespinstmotten legen. Man kann die Gespinste mit den Raupen auch ausschneiden und entsorgen, um den Befallsdruck zu senken.

25.05.2022: Gemeinsam sind wir stark: Neben den Gespinsten setzen die Raupen durch eine hohe Individuenzahl auf zusätzliche Sicherheit

Die Raupen werden sich als nächstes innerhalb der Gespinste verpuppen und dort die Metamorphose zum Schmetterling durchmachen. Von Mitte Juni bis August fliegen dann die adulten Nachtfalter. Sie haben eine Flügelspannweite von ca. 2 cm und sind dank ihrer schneeweißen Farbe und den schwarzen Punkten sehr ansehnlich. Nach erfolgreicher Paarung legen sie ihre Eier an Trieben von Apfelbäumen. Die kleinen Raupen schlüpfen ca. zwei Wochen später und überwintern. Im Mai des folgenden Jahres beginnen sie ihre Fraßaktivität. Erst minieren sie in den Blättern, und wenn sie größer geworden sind, fressen sie an den Blättern und entwickeln die Gespinste.

02.06.2022: Die meisten Raupen haben sich mittlerweile in einen weißen Kokon eingesponnen. Darin veruppen sie sich und erscheinen nach ca. 14 Tagen als Schmetterling

Die Schafe kommen

Seit diesem Jahr dient meine Streuobstwiese bei Stockach auch als Schafsweide. Die niedlichen Skuddenschafe der benachbarten Schäferin genießen jetzt die saftigen Gräser und Kräuter der Wiese. Die Beweidung durch Schafe ist die naturschonendste Art den Unterwuchs zu pflegen. Das langsame kontinuierliche Grasen schont z.B. Insekten, Eidechsen und Ameisenhaufen. Der Schafskot fördert zusätzlich die Artenvielfalt. Besonders anziehend wirkt er auf Käfer und Fliegen, die in den Kot gerne ihre Eier absetzen. Außerdem bringt er Nährstoffe ein.

Mäuse, die Obstbäumen oft durch Wurzelverbiss stark zusetzen, mögen die permanenten Erschütterungen im Boden durch die Beweidung nicht und wandern ab. Die Beweidung ist also auch eine natürliche Form der Schädlingsbekämpfung. Davon abgesehen hat es eine fast meditative Wirkung, den Tieren beim Grasen zuzusehen. Ich könnte den ganzen Tag im Liegestuhl vor dem Zaun sitzen und sie beobachten.